30. 2021
Mai

Newsletter # 811

Die Aussätzigen

Weil der Inzidenzwert in München zum fünften Mal in Folge unter 50 liegt (am Samstag bei 30,4), dürfen Sie ab heute ohne Test (!) ins Theater, in Konzert- und Opernhäuser oder in Kinos gehen. Das ist gut.

Sie dürfen aber nicht, auch nicht mit einem Test, in Jazzbars oder Jazzclubs gehen. Auch wenn diese keine Gastronomie anbieten. Sondern "nur" Konzerte. Das ist schlecht.

"Das ist schlecht?!"

Nein, das beschreibt es nicht. Das ist absurd. Das ist lächerlich. Das entbehrt jeglicher Logik, das ist diskriminierend, das ist ein bürokratischer Irrsinn.

Ich weiß nicht, wer sich so etwas ausdenkt. Ich verstehe es nicht. Ich verstehe nicht, warum der Besuch eines Jazzkonzertes gefährlicher sein soll, wie der Besuch eines klassischen Konzertes. Ich verstehe nicht, warum zwei Menschen, die in einem Raum sich mit einem Abstand von 1 Meter 50 zu ihren Nachbarn einen Film anschauen, anders behandelt werden, wie zwei Menschen, die mit einem Abstand von 1,50 Metern einer Jazzband lauschen wollen.

Alle freien Kulturschaffenden leben seit sieben Monaten, seit 212 Tagen, mit einem faktischen Berufsverbot. Die einzige Berufsgruppe, der die "Stadt München" nach sieben Monaten ohne Not weiterhin verbietet, ihren Beruf auszuüben sind: die freien Kulturschaffenden.

Diejenigen, die durch jedes Netz fallen. Diejenigen, die aber gleichzeitig das kulturelle Fundament dieser Stadt bilden. Weil wir mit hohem persönlichen, privaten Risiko trotz aller Risiken Kultur in all ihren Facetten möglich machen.

Und wir, wir dürfen nicht Teil der Lockerungen sein?! Uns droht die "Stadt München" mit "Ordnungswidrigkeitsverfahren", droht mit Polizeikontrollen?!

Es ist ein Armutszeugnis. Es ist eine Schande. Für eine "Weltstadt mit Herz". Für eine: "Europäische Kulturstadt".

So. Das musste jetzt mal raus. Nach vierzehnmonatigem, geduldigen Mittragen aller Maßnahmen muss sogar ich einmal Dampf ablassen. Spüren Sie es?! FFFFFFFFFFF ... Warten Sie: Noch einmal: FFFFFFFFFFFF ...

Tut. Das. Gut.

Vielleicht haben Sie ja Lust, uns aussätzigen Jazzern unter die Arme zu greifen. Wenn ja: Schreiben Sie doch bitte an Oberbürgermeister Dieter Reiter ein paar Zeilen. An ob@muenchen.de Danke.

Und ich?! Um etwas zu tun zu haben werde ich versuchen, zu ein paar Lesungen meines Buches eingeladen zu werden. Der "Kotzende Hund". Wenn das nicht passt ... :-)

P.S.: Natürlich können Sie trotzdem, auch wenn ich weiterhin nicht öffnen darf, mein Buch "Der kotzende Hund" erwerben. Bei Ihrem Buchhändler. Oder online. Das kann noch nicht einmal die "Stadt München" verhindern ... :-)

*

P.S.: Ein "Gutschein fürs Vogler": Vogler, Commerzbank München, IBAN: DE92700800000318957000 , BIC: DRESDEFF700 oder auch per PayPal. Ich schicke Ihnen dann einen Gutschein zu, einlösbar ab Wiedereröffnung. Bitte E-Mail- und/oder -Adresse nicht vergessen.

Vielen, vielen Dank auch für Ihre Überweisungen an die "Jazzbar-Vogler-Solidar-Gemeinschaft" ("JVS"). Musiker, die nicht mehr weiter wissen, schreiben mir bitte eine E-Mail (nur ich kann diese lesen). Wenn Sie "unseren" Musikern helfen können: Vogler, Postbank München, IBAN: DE39 7001 0080 0890 8858 05 , Verwendungszweck: "JVS - Spende für Musiker". Bitte E-Mail- und/oder -Adresse nicht vergessen.

Vielen, vielen Dank auch für Ihre Spenden! Wer nach der Überweisung noch keinen Gutschein oder "Schenkungsvertrag" (sowohl fürs "Vogler" wie auch an die "JVS") erhalten hat, bitte melden. Dann habe ich entweder Ihre (E-Mail)-Adresse leider nicht oder isch abe jemacht Feeehler ...

Lust auf "Jazz to go"?! Alle Informationen finden Sie hier.

Ich habe mir die "Corona-Warn-App" heruntergeladen und werde mich gegen Covid19 impfen lassen ...

Das "Vogler" ist mit einer Frischluft-Anlage, zwei Luftreinigern (Testsieger bei "Stiftung Warentest"), vier Luftbefeuchtern (Testsieger bei "Stiftung Warentest") und vier zusätzlichen Ventilatoren (ebenfalls Testsieger bei "Stiftung Warentest") ausgestattet - und bietet Ihnen seit 31. Juli 1997 Live-Musik.