| 26. | 2020 |
| Jan |
Newsletter # 754
OrgaNsa
Noch so ein Thema, das ich nicht verstehe. Der Deutsche und seine Angst, nach seinem Tod seine Organe zu spenden. Aber seine Privatsphäre aufzugeben. Damit hat der Deutsche kein Problem.
Die durchschnittliche Anzahl postmortaler Organspender je Million Einwohnern im Jahr 2018 lag in Bayern bei 9,5. Also eigentlich: Bei Null. (Quelle: statista .com).
Der Bundestag hatte vor zwei Wochen die aus meiner Sicht historische Chance, auf eine unglaublich einfache Art und Weise Menschenleben zu retten: Jedem, der nicht einer Organspende zu Lebzeiten widersprochen hat, aus religiösen, ethischen ... Gründen, dürfen Organe entnommen werden = rettet Leben. Satz mit ix. War mal wieder nix.
Warum gefällt uns die Vorstellung besser, von ekligen, glitschigen, schleimigen Würmern gaaaaanz laaaangsam zerfressen zu werden, wie durch unsere Organspende einem Menschen zum Weiterleben zu verhelfen - und damit selber, wenigstens ein Stückchen, "weiterzuleben"?! Ich finde das einen sehr schönen Gedanken. Ok, ok, vielleicht sollte man den Betreffenden dann vorwarnen: "Datt Orjan jehörte mal dem Vogler, willste es TROTZDEM :-) ?!"
Davor fürchten wir uns also. nach dem Tod zerschnippelt zu werden. Gleichzeitig, und der Gedankensprung mag dem einen oder anderen jetzt vielleicht ein wenig weit-gesprungen sein, lassen sich Millionen täglich "zerschnippeln", stellen sich Millionen von uns (genaue Zahlen gibt es nicht), z.B. sogenannte "SmartSpeaker" (schon der Name ist irreführend: "SmartListener" wäre treffender) in die Wohnung und sind bereit, die eigene Privatsphäre (eines unserer heiligsten Güter), ohne dies auch nur ansatzweise zu hinterfragen, komplett aufzugeben.
"Ich habe ja nichts zu verbergen!" - Echt nicht?! - Nur ein Beispiel: Es soll ja Menschen geben, die es schön finden, wenn andere ihnen beim Beischlaf zuhören (jedem das Seine), aber daß Millionen das toll finden, hätte noch nicht einmal ich gedacht. Spätestens seit Edward Snowden sollten wir es eigentlich besser wissen. Und so ein NSA-Mitarbeiter will ja wahrscheinlich auch mal ein bißchen Spaß haben ...
Was geben wir als nächstes auf?! Unsere Meinungsfreiheit?! Die Religionsfreiheit?! Einfach so?! Weil wir inzwischen zu faul sind, selbst das Licht anzumachen oder auf die Fernbedienung zu drücken?!
Die großen amerikanischen Konzerne dürfen uns zerschnippeln, um uns, sollte es mal passen, zu zerstören, damit haben wir kein Problem. Aber Organspenden, Leben retten, "ne, ne, ne, das kommt mir nicht ins Haus".
Ich bin mir nicht sicher, ob konsequenterweise jeder Nicht-Spender, der auf dem OP-Tisch liegt, bei dem Satz: "Wir hätten hier ein Organ für Sie, das würde Ihr Leben retten" sagt: "Ne, laßen Sie mal, lieber sterbe ich, ich spende ja selbst auch nicht".
Also: Die "SmartListener" auf den Wertstoffhof. Und hier den Organspendeausweis ausfüllen, ausdrucken und/oder bestellen.
Geht doch - vielleicht hat ja irgendwann meine Lunge mit Ihrem Herzen ein Date in einem völlig neuen Umfeld - rrrrrrrrrh - also: meine Lunge freut sich schon darauf ... :-)
P.S.: Ich weiß, ich weiß, Sie denken jetzt, "Voooooogler, übertreib' doch nicht. Stimmen-Recording?! Also echt jetzt." - Echt?! Liest Du.
