| 19. | 2021 |
| Sep |
Newsletter # 826
Circa
Meine Antwort vom 17.9.21 an die Geschäftsführerin, der für den "Deutschen Jazzpreis" verantwortlich zeichnenden "Initiative Musik", Tina Sikorski:
"Sehr geehrte Frau Sikorski,
vielen Dank für Ihre Mail und Ihre damit verbundene Antwort auf meine Schreiben bzgl. der konkreten Mittelverwendung von 1 Million Euro Steuergeldern beim „Deutschen Jazzpreis“. Es ging um die Frage, wofür Sie 690.000,- Euro Steuergelder verwendet haben, wenn „nur“ 310.000 Euro an Preisgeldern ausgeschüttet wurden.
Sie schreiben: Bei den 1 Mio. Euro handele es sich um einen Bruttobetrag. Der Nettobetrag läge bei "ca. 840 TSD Euro“. Warum: „Circa“?! Da es sich bei den ausgeschütteten Preisgeldern dann ebenfalls um Brutto-Beträge handeln muss, läge der in Frage zu stellende Betrag weiterhin bei 690.000,- Euro. Brutto.
Es verwundert mich der "ca. Mwst.-Satz" von 16% Mwst. Da es sich um eine im Jahr 2021 erbrachte Leistung handelt, sollte der Mwst.-Satz 19% sein. Der Kultur-Mwst.-Satz liegt aber eigentlich bei 7%.
Sie schreiben: "Der Deutsche Jazzpreis ist qua Konzept nicht in erster Linie eine monetäre Fördermaßnahme einzelner Künstler:innen. (…) Vielmehr besteht das Kernziel in der langfristigen Generierung von Aufmerksamkeit für den Jazz als gesamte Szene.“ Meines Wissens, korrigieren Sie mich bitte, falls ich falsch informiert bin, haben die Live-Übertragung des Jazzpreises nicht mehr wie knapp 300 Zuschauer gesehen. Die Facebook-Seite des „Deutschen Jazzpreises“ hat 699 Abonnenten, auf Instagram folgen Ihnen 1.431 und auf Twitter 98 (alles Stand 16.9.21): "Mit der Preisverleihung schaffen wir eine medial interessante Bühne für den Jazz und sorgen so für Aufmerksamkeit und Reichweite auch für diejenigen, die kein Preisgeld erhalten, aber indirekt über die gesellschaftlich breite Wahrnehmung des Themas profitieren.“
Aufmerksamkeit. Reichweite. Breite Wahrnehmung. Wo findet diese statt?! Andersherum gefragt: Was haben Sie mit 690.000,- Euro brutto wirklich erreicht?!
"Eine detaillierte Kostenaufstellung kann ich Ihnen nicht geben. Das sind vertrauliche Zahlen.“ Heißt das im Umkehrschluß, daß all die, die von der „Initiative Musik“, von „Neustart Kultur“ etc. Steuergelder erhalten, Ihnen keine Rechenschaft mehr über die Verwendung schuldig sind, weil es sich auch für die Empfänger um „vertrauliche Zahlen“ handelt?!
Ich glaube Ihnen gerne, daß Sie Frau Prof. Monika Grütters (CDU) dankbar für die Steuergelder sind. Das bin ich auch. Für Programme, wie zum Beispiel „Neustart Kultur“, die u.a. die Jazz-Szene konkret, direkt und messbar unterstützen. Ich glaube Ihnen auch, daß Sie mit "großem Engagement“ daran arbeiten, dem Jazz "die Bedeutung zu verschaffen, die er verdient“, nur: Gerade weil es sich um Steuergelder handelt, sollte doch Transparenz, wie es von jedem Steuerzahler, von jedem Empfänger öffentlicher Mittel erwartet wird, das oberste Gebot sein.
Felix Falk, der beim „Deutschen Jazzpreis“ als Beirat tätig ist und beim „Spielstättenprogramm“ in der Jury saß, Vorstand der Deutsche Jazzunion, Sprecher der Bundeskonferenz Jazz, hat auf meine Kritik an der Vergabe-Praxis und dem aus meiner Sicht mehr als zweifelhaften Umgang mit Steuergeldern beim „Spielstättenprogrammpreis“, in einer E-Mail geschrieben: „Vogler ist der größte Idiot am Jazzhimmel“. Sie wissen, wie das mit uns Idioten ist. Wir sind einfach sehr, sehr begriffsstutzig. Und wollen alles ganz, ganz genau erklärt bekommen.
Ich habe, idiotisch, ich weiß, ein Jahr Freibier der- oder demjenigen versprochen (das Kleingedruckte kommt dann), die oder der konkrete, detaillierte Zahlen der gesamten Mittelverwendung nennen kann. Das gälte auch für Sie … :-) "
In diesem Sinne, einen schönen Tag und alles, alles Gute!
Ihr und euer Thomas Vogler
P.S.: Alles weitere zum "Deutschen Jazzpreis" finden Sie hier.
