| 22. | 2020 |
| Nov |
Newsletter # 797
Tröpfchen
Langsam muss man sich ja als Kultur-Schaffender nach Alternativen umsehen. Nein, ich meine damit nicht: Ich schule um. Wäre ja schließlich auch absurd zu glauben, jemand würde mit einem mittelalten Knacker wie mir noch etwas anfangen können.
Nein, ich meine: Alternativen, wie wir in Zukunft Kultur überhaupt noch ermöglichen können, denn auch wenn wir Kulturschaffende uns vorbildlich verhalten und uns bestmöglichst darum bemühen, alle Vorgaben zu unser aller Sicherheit umzusetzen, werden wir, wie geschehen, als erste einfach abgewürgt. Licht aus. Ton aus. Aus die Maus.
Anders ist es zum Beispiel bei Gottesdiensten. In den Münchner Dom oder in St. Joseph dürfen jeweils 130, in die Theatinerkirche bis zu 110 Gläubige zur Messe kommen. Müssen Kirchgänger ihre Kontaktdaten zur Nachverfolgung abgeben?! Theoretisch: ja. Praktisch: nein. Es ist sicher wissenschaftlich erwiesen, daß Corona keinen Weihrauch mag.
Wo Kultur dann noch stattfindet?! Vielleicht so, wie ich vor dem "Lockdown light" in einem italienischen Restaurant gesehen habe:
Statt der Bücher könnte man auch einen Musiker integrieren, der Ihnen beim Pinkeln tröpfchenweise Töne improvisiert, ich lese Ihnen aus meinen alten Newslettern vor, ein Licht-Techniker leuchtet Ihren Strahl passend aus, ein Ton-Techniker untermalt den Klang des auftreffenden Wassers, ein Caterer reicht Ihnen zur Stärkung ein Häppchen, eine Garderobiere hilft Ihnen wieder in die Hose und ein Masken-Bildner richtet Ihnen noch kurz die durch allzu intensives Schütteln arg zerrupfte Frisur ... - sage noch einer, es gäbe keine Hoffnung für uns ... :-)
