6. 2019
Okt

Newsletter # 740

Geistige Eiche

Oktoberfest. Mein letzter Newsletter, "Opfer-Geist", war schon eine Erinnerung daran. Heute kriegen Sie noch einen Geist vor den Latz geknallt: Den Geist des Eichstrich´s.

In der Wochenendausgabe 30.9./1.10.1989, die meisten von Ihnen waren damals noch gar nicht auf der Welt, und ja, auch 1989 gab es schon das Oktoberfest, durfte ich einen ersten, ganzseitigen Artikel für die "Süddeutsche Zeitung" über das Oktoberfest schreiben: "Kritik, die der Wirt schlucken muss: Der Eichstrich scheidet die Geister. Wenn es die Schankkellner mit dem Einschenken nicht so genau nehmen, ist für die Bierkontrolleure das Maß voll". Weltverändernd, epochal, grimmepreisverdächtig - mindestens ...

Oder kennen Sie die, sicher immer noch gültigen, "Zehn Gebote für den Schankkellner" von Festwirt Günter Steinberg aus dem Jahr 1984?! "Du sollst den Gast lieben wie Dich selbst und versehentlich schlecht eingeschenkte Krüge ohne Murren nachschenken"?! Kein Witz. Hätten Sie mal meinen Artikel gelesen.

Oder wußten Sie, daß es einen, 1899 (!) gegründeten, "Verein gegen das betrügerische Einschenken" gibt?! 1989 stand dem Verein der "Volksschauspieler" Rudi Scheibengraber vor, dessen Namen ich, ein ganz schlechter Einstieg für ein Interview, vorher noch nie gehört hatte. Am Interview-Tisch im Schottenhammel saß noch dazu ein Mann, der mich mit dem Satz begrüßte: "Sie sind von der Süddeutschen?! Ich habe den Hahn gemalt".

Um ehrlich zu sein, wußte ich mit dem Satz nichts anzufangen. Wunderte mich nur, warum mir gestandene Mannsbilder, nur weil ich von der SZ bin, stolz erzählen, sie könnten einen Hahn zeichnen. Vieleicht spürte er aber auch nur, daß meine Mal-Künste auf Strich-Männchen-Niveau der Grundschule stecken geblieben sind.

Nein, alles falsch: Mein Fehler. Ich war einfach grottenschlecht vorbereitet. Es war "der bayerische Dali" (Eigen-Werbung) Rupert Maria Stöckl, der 1976 den "1. Preis für das beste Wirtschaftsplakat" erhalten hatte. Es handelte sich um: „Täglich hellwach mit der Süddeutschen“. Das dazugehörige Logo: Ein bunter Hahn. Hätte ich eigentlich kennen müssen. So lernt man. Was ein Glück für die SZ, Volksschauspieler und Grafiker, daß ich 1997 die Seiten gewechselt habe ...

Da ich weiß, Sie glauben mir nicht: Hier der, ehrlich gesagt, nicht sonderlich lesenswerte Artikel. Aber vielleicht mag mein damals fast noch jugendhaftes Alter als Entschuldigung gelten. Ich bitte um Milde.

vogler2.pdf