22. 2019
Sep

Newsletter # 738

Frau Supernova

Bis jetzt habe ich Ihnen ja nur Filme empfohlen, in denen ICH eine bedeutende Rolle gespielt habe - ok, ok - eher: mein rechter Arm. Oder: mein linker Fuss. ("Resistance" mit Jesse Eisenberg (und meinem linken Fuss) kommt aber erst am 24. Oktober in die Kinos, eine Szene wurde im "Vogler" gedreht).

Heute aber möchte ich Ihnen einen Film ans Herz legen, in dem ich (ausnahmsweise) nicht mitgespielt habe, der mich aber sehr be- und gerührt hat: Der Lowest-Budget-Film "Frau Stern" von Anatol Schuster. Diese Woche noch im "Neuen Arena" zu sehen. Haupt-Grund: Die Haupt-Darstellerin des Films: Ahuva Sommerfeld. Es war ihr erster Spielfilm. Und leider auch ihr letzter. Sie starb, 81-jährig, Anfang 2019 in Berlin. Früher war sie öfters im "Vogler". Immer dann, wenn ihre Tochter Nirit  oder ihre Enkelin Lili Sommerfeld einen Auftritt bei mir hatten.

Die für mich berührendste Szene des Films: Ahuva Sommerfeld singt, mit ihrer unglaublich tiefen, einzigartigen, verrauchten Stimme: "Summertime". Man merkt ihr in jeder Sekunde an, was für eine Überwindung, was für eine Kraft es sie kostet, gerade dieses Lied zu singen, aber das "warum" wird im Film nicht aufgelöst. Dazu gibt es eine berührende Geschichte, die mir Nirit Sommerfeld erzählt hat:

"Summertime war Ahuvas Lieblingslied, seit sie meinen Vater kennengelernt und mit ihm in `Porgy and Bess´ war - im Kino in Tel Aviv, 1959. Seither spielte er Summertime für sie bei jeder Gelegenheit. Nachdem er 1980 starb und meine Tochter Lili viele Jahre später anfing Klavier zu spielen - auf meinem Klavier, auf dem auch er noch gespielt hatte - spielte sie das seit ihrem 13. Lebensjahr an jedem Geburtstag für ihre Oma.

Ahuva hat ihr Leben lang nie gesungen, wirklich nie, weil sie behauptete, trotz ihrer Liebe zur Musik total unmusikalisch zu sein - außerdem mit DER Stimme ... Sie hat unheimlich Mut bewiesen, weil sie wirklich nie bereit war zu singen und sich immer für ihre Stimme geschämt hat ... Und dann saß die Szene beim ersten Take".

Der mehrfach ausgezeichnete Film ist ein Vermächtnis. Und ein Hommage an das Leben. Ein Leben, das, wie wir gerne verdrängen, endlich ist. Frau Stern hat das nicht verdrängt. Sondern sich diesem Ende mit unendlich vielen Zigaretten und noch mehr schwarzem Humor gestellt - "Frau Stern will sterben. Doch das Leben lässt sie nicht los ..." - don´t miss it!

P.S.: Mehr Informationen über den Film: Hier.