25. 2018
Feb

Newsletter # 673

Mein Vogler, Dein Vogler

Mal wieder eine Geschichte "aus dem Bar-Alltag":

Wenn man so methusalemisch lange im Geschäft ist, wie ich, glaubt man in ganz, ganz schwachen Momenten: "Jetzt muss ich aber wirklich alles mal erlebt haben." - Naiv. - Ich weiß.

Vor knapp zwei Wochen fragte mich ein Gast, ob ich nicht Lust hätte auf eine "Geschlossene Gesellschaft", im Mai, für ein großes deutsches Unternehmen. Ich teilte ihm (aus diversen Gründen) sofort meine Bedenken mit. "Ok, kein Problem", der zuständige International Sales Director des großen deutschen Unternehmens würde sich trotzdem mit mir in Verbindung setzen, um das ob, wie, wieviel ... zu klären. "Vielleicht geht es ja doch." - Der International Sales Director?! Ungewöhnlich.

Der International Sales Director schrieb mir wenig später eine E-Mail, ob denn eine Geschlossene Gesellschaft bei mir möglich wäre, wie die Konditionen seien etc. etc.  Ich antwortete ihm ein paar Tage darauf, dass ("vielen Dank für Ihre Anfrage") die Veranstaltung bei mir leider nicht möglich sei. - Was dann kam war, gelinde gesagt, etwas ungewöhnlich. Er schickte mir eine Kopie eines persönlichen Briefes an einen seiner wichtigsten Kunden. Ein Auszug:

"(...) We would be very honored if you would attend our dinner concert (...) at the Vogler Jazz Bar, a concert venue that rates amongst the best in Munich. We have rented out the entire establishment for this important musical event (...). A special (Company branded) Cocktail and appetizers will be served beginning at 19h. The first set of the concert will start at 19h30 and dinner at 20h. (...)"

Diesen Brief hatte er bereits verschickt. An Handelspartner in 40 Ländern. Ich könnte also nicht "nein" sagen, schrieb er. Nein, das ginge nicht. Absolut nicht. Denn: Er hätte ja schon alle Einladungen verschickt. Und auch der komplette Vorstand und weiß Gott wer alles wäre doch schon eingeladen ...

Er ist einfach mal, warum auch immer, so mir nichts Dir nichts, davon ausgegangen, daß, ohne auch nur ein einziges Wort mit mir gesprochen zu haben, ich nicht anders kann, als "JA" zu sagen.

Jetzt weiß ich endlich, warum man sagt: "Da hat einer die Rechnung ohne den Wirt gemacht" ... :-)