11. 2018
Feb

Newsletter # 671

Fisch-Asche

Diesen Mittwoch jährt sich einer meiner größten Albträume in der "Vogler"-Geschichte. Aschermittwoch, es müßte 1999 gewesen sein.

Damals hatte ich zum ersten Mal die glorreiche Idee, gleich nach der berühmt, berüchtigten Faschings-Dienstags-Vogler-Party auch noch "Fish and Jazz" zu veranstalten. Den "Jazz" übernahm das "Joe Kienemann Trio". Doch den "Fish"?!

Ich fragte einen bekannten Koch, ob er nicht Lust und Zeit hätte. "Klar, gerne". Er schrieb mir eine Speisekarte (wo mir die Ohren schlackerten, vor Vor-Freude) und eine Einkaufsliste (bei der schlackerten mir noch mehr die Ohren, weniger wegen der Vor-Freude). Vorspeise, möglicher Zwischengang, Hauptspeise, Dessert. Alles Fisch. Ok, nicht die Nachspeise.

Was ich mich aber sofort fragte: Wie kann ein einzelner Koch (bis auf die Vorspeisen) á la minute für eine komplett ausreservierte Bar so viele Gerichte kochen. Wie soll das gehen?! Mein Bauchgefühl sagte mir: Geht nicht. Aber: "Was weißt Du Grün-Schnabel schon", dachte ich mir. Hätte ich nur auf meinen kleinen dicken Bauch gehört ...

Der Abend begann erwartungsvoll. Entspannt. Die Vor-Speisen waren raus. Die ersten Zwischen-Gänge und Haupt-Speisen tröpfelten aus der Küche. Es hätte aber wenigstens ein stetes Essens-Bächlein sein müssen. Schnell war klar: Das wird ein Desaster. Die Stimmung begann unruhig zu werden: "Entschuldigung, haben Sie mein Essen vergessen?!".

Erste Massnahme: Eine Lokal-Runde Sekt. Stimmung wurde wieder besser. Es tröpfelte weiter Essen aus der Küche. Die Stimmung wurde wieder schlechter: "Ich warte jetzt schon 1 Stunde auf mein Essen!"

Zweite Massnahme: Ich ging von Tisch zu Tisch, entschuldigte mich, "gleich wird Ihr Essen kommen ...", was man dann halt so sagt, wenn man eigentlich nichts dafür kann, aber trotzdem die Verantwortung trägt.

Die Stimmung wurde kurz wieder besser, begann aber schnell wieder ins brodelnde überzugehen. Nur können sie dann nicht noch eine Runde ausgeben oder noch einmal an die Tische gehen. Schliesslich wollten die Gäste: ESSEN.

Es tröpfelte weiter aus der Küche.

Es war ein Albtraum. Das Problem: Der Koch, lange Jahre Chef-Koch eines großen, bekannten Hotels, war gewöhnt, mit viel Personal zu kochen - und hatte die Situation komplett unterschätzt, behielt aber, und das war das einzig Gute, bis zum Schluss die Nerven, arbeitete elefantös stoisch Bon für Bon ab. Ein anderer wäre mit einem hysterischen Kreisch-Anfall Messer werfend aus der Küche gerannt.

Ich allerdings hätte an dem Abend, Aschermittwoch 1999, jeden Gast an der Tür begrüßen können, mit der Bitte, sich doch kurz umzudrehen, um ihn dann mit einem kräftigen Tritt in den Hintern wieder aus der Bar zu befördern. Der Effekt wäre der gleiche gewesen, wie ihn den ganzen Abend auf sein Essen warten zu lassen.

Tage habe ich gebraucht, um mich von dem Abend zu erholen. Seitdem höre ich immer auf meinen kleinen dicken Bauch ... - und WEHE, er irrt sich ... :-)

P.S.: Ich habe die Speise-Karte noch. Sieht nicht viel aus. Aber fast jeder Gast hatte sich ein Gericht als Zwischen-Gang rausgesucht. Macht pro Gast 3 - 4 Gänge. Insgesamt vielleicht 300 Bons. Wenn ich das so vor mich hinschreibe, wird mir schon wieder ganz schwummrig ... :-)

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