11. 2018
Mar

Newsletter # 675

Bewerfungen

Weil es so schön ist: Noch mehr "Geschichten aus dem Bar-Alltag":

"Ihre Meinung ist uns wichtig" titelte Joachim Käppner letzte Woche in einem ganzseitigem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" über das Problem von Bewertungen im Internet und schrieb unter anderem:

"So wurde der Wirt einer Münchner Jazzbar, der ein "Nutzer" per Schmähkritik miserables Essen bescheinigte, obwohl es dort gar nichts zu essen gibt, vom Portal (Tripadvisor) anfangs behandelt, als habe er einen Schlägertrupp losgeschickt - er hatte völlig zu Recht seinen Anwalt mobilisiert."

Als habe man einen Schlägertrupp losgeschickt fühlt man sich als Gastronom aber manchmal nicht nur von Bewertungsportalen, sondern auch von "Bewertern" behandelt. Beispiele, über die ich mich zum Teil richtig geärgert habe:

- Letzten Samstag bekam ich während des laufenden Betriebs vier 1-Stern-Bewertungen auf Google, u.a. von "Anris Spyridis" und "Teo Kotanidis". Als ich zum Tisch ging, um die "Bewerter" zu fragen, was Ihnen denn nicht gefallen hätte und wo das Problem wäre, war keiner, und das ist leider inzwischen typisch, dazu in der Lage, Stellung zu beziehen. Auf das Smart-Phone drücken ging. Sich dahinter zu verstecken ging auch. Reden?! Begründen?! Fehlanzeige. Wahrscheinlich war es der Klassiker: "Wieso sollen wir Eintritt bezahlen?!"

- Was es früher auch nicht gab: Gäste setzen sich in eine Bar und wollen nichts konsumieren. Nicht, weil sie es sich nicht leisten könnten. Nein, aus Prinzip. Dass das nicht geht, dürfte selbstverständlich sein. Was dann aber noch erschwerend hinzukommt: Der Gast schreibt eine schlechte Bewertung. Natürlich nicht über sich, sondern über den Gastronom der ihn "zwang", doch wenigstens ein kleines Wasser zu trinken. So wie "Francesca Maria Nespolo". Sie wollte nicht nur nichts trinken, sondern zog auch gleich noch eine große Tafel Schokolade aus der Tasche, um sie zu verzehren ...

- Jeder ... hat inzwischen ein Smart-Phone und darf (meist) feige und anonym die, die sich über Jahre und Jahrzehnte etwas aufbauen, mit irgendeinem Blödsinn in die Pfanne hauen. Da sind so Geistes-Größen wie "walrussi" dabei, der nicht nur das "Vogler" schlecht bewertete, sondern auch eine Aral-Tankstelle mit nur 1-Stern, weil: "die nur 5 Snickers im Regal hatten". Nur 5 Snickers im Regal?! Ein echtes Problem.

Nur ein paar Beispiele von vielen. Aber: Manch Bewerter wird sich, nachdem er meine Antwort auf seine "Bewertung" gelesen hat, ebenfalls fühlen, als hätte ich einen Schlägertrupp losgeschickt. Alt-Testamentarisch. Ich weiß. Aber tut manchmal einer ach so geschundenen Gastronomen-Seele einfach nur gut ... :-)

P.S.: Der Feuerlöscher stand wieder vor meiner Eingangs-Tür ... :-)