4. 2017
Jun

Newsletter # 641

Stahlhelm kegeln

"Folge 17 der 20 Jahre Vogler Geschichte": Wer war denn vor dem Vogler in der Rumfordstrasse 17?! 2. Teil: 1929 bis 1947:

1929 hiess das Lokal "Bierwirtschaft Belvedere". Die "schöne Aussicht" dürfte auch damals nicht viel anders wie heute gewesen sein: Ein Haus. Warum das Lokal so genant wurde, ist für mich nicht recherchierbar. Aber: Das Lokal hatte, wenn schon keine schöne Aussicht, eine Kegelbahn. Und die spielt ebenso eine Rolle wie der damalige Wirt Josef L., der offensichtlich ein Unterstützer des paramilitärisch organisierten "Stahlhelms" war, "mit seinen (...) rund 500.000 Mitgliedern (der) stärkste Wehrverband des Deutschen Reichs", der sich später mit der NSDAP und der DNVP zur "Harzburger Front" zusammenschloss und in die SA eingegliedert wurde. (Quelle: Deutsches Historisches Museum, Berlin)

Am 31. Mai 1929 „erscheint Josef L., Schankwirt, Rumfordstrasse. 17 und bittet um die Erlaubnis, während der sog. Stahlhelmtage vom 31. Mai 1929 bis 3. Juni 1929 in seiner Kegelbahn ein Massenlager errichten zu dürfen (für ca. 100 Mann)“:

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Die „Bezirks-Inspektion des 12. Stadtbezirkes“ bestätigt u.a..: „Die Kegelbahn dürfte als Massenquartier geeignet sein.“ Auch der Stadtrat hat keinen Einwand. Bedingung u.a.: „Handfeuerlöscher (mindestens einige gefüllte Wassereimer) sind bereitzustellen“.

Die "Stahlhelmtage" scheinen Josef L. motiviert zu haben:

„Es erscheint der Bierwirt Josef L. , Rumfordstr. 17 wohnhaft und erklärt: (…) Ich bitte um die Genehmigung zur Verwendung eines Teiles des Nebenzimmers (Kegelbahn) zu Schiesszwecken.“

Gut zu sehen auf dem Plan: Die Verlängerung des jetzigen "Bühnen-Raums" (früher: das Nebenzimmer) war: Die Kegelbahn. Links davon im Rückgebäude, das den Krieg nicht überlebt hat: Ein 71 qm grosses "Gesellschafts-Lokal" mit kleinem Schiesstand:

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Der Stadtrat genehmigte 1929 auch dies. Und genehmigt im gleichen Jahr eine umfangreiche Erweiterung des Schiessstandes über die komplette Länge des ehemaligen "Gesellschafts-Lokals", der dann zum "Lagerraum" umfunktioniert wurde.

Der Gastronom verstarb am 10. Juni 1942. Seine Frau beantragte am 16. Juli 1942 die Konzession-Übernahme, von der u.a. der „Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung“ am 11.8.1942 in Kenntnis gesetzt wurde:

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Am 15.10.1947 gibt sie die „Bierwirtschaft Belvedere“ wegen Krankheit wieder auf. - Einatmen. - Ausatmen. - Mit u.a. "Jazz gegen Rechts" konnte das "Vogler" vielleicht ein bißchen was für das "Karma" des Hauses tun ...

Fortsetzung folgt.
In diesem Sinne, schönen Tag!
Ihr und Euer Thomas Vogler, der sich hiermit noch einmal bei Herrn Dr. Heusler vom Münchner Stadtarchiv für seine große Hilfe bedankt!