16. 2017
Jul

Newsletter # 644

Socken-Seele

"Folge 20 der 20 Jahre Vogler Geschichte"

Heute wieder: Aus der Geschichte des Hauses "Rumfordstrasse 17". Der erste Beleg, der sich im Stadtarchiv über gastronomische Betriebe in der Rumfordstrasse 17 finden läßt, ist aus dem Jahr 1884:

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Damals war die jetzige "17" noch die "13" (wann und warum die Nummerierung geändert wurde, läßt sich für mich leider nicht mehr nachvollziehen). Aus dem Dokument geht hervor, dass es schon 1876, also bei Fertigstellung des Hauses, eine "Wirthschaft" gab - und von 1880 bis 1884 bereits vier Pächter-Wechsel.

In dem Dokument werden für die damalige Zeit wichtige Voraussetzungen für eine "Wirthschaft" abgefragt. Zum Beispiel:

"Schlaffstätten der Dienstboten", in diesem Fall waren sie: "hell und trocken". "Dienstboten-Schlafstätten" ist nicht unbedingt das, was ich mit einer einfachen Wirtschaft in Verbindung bringen würde. Und nein, ein "Kellner" war auch damals schon ein "Kellner" - und kein Dienstbote ...

Auch der "Bierkonsum" wurde notiert. Warum nur der und warum das für die Stadt überhaupt von Interesse war, ist für mich nicht schlüssig nachvollziehbar. Noch dazu gehörte das Haus damals dem "Privatier Carl Strobel" - und keiner Brauerei. Der Bierkonsum war jedenfalls "in letzterer Zeit gering (...)". Aber vielleicht wollte die Obrigkeit einfach nur ganz genau wissen, wieviel in ihrer Stadt so gesoffen wurde ...

Und: "Wohnungsraum, ob von der Wirthschaft getrennt und ob eigener Eingang". Im Umkehrschluss könnte man meinen, daß es damals Wirtschaften gab, in denen sowohl gewohnt wie auch ohne direkte räumliche Trennung ausgeschenkt und gekocht wurde - die Socken des Gastronomen hingen wahrscheinlich zum Trocknen über dem Tresen. Bin am Überlegen, ob ich diese "Tradition" nicht wieder einführen sollte ... :-)

Fortsetzung folgt.

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P.S.: Aufschlussreich finde ich auch die Rückseite des Dokumentes. Dort wird unter Punkt "19" vermerkt, daß es in der Rumfordstrasse vier weitere "Wirthschaften" gäbe,  alle zwischen 1875 und 1876 "entstanden".

Frage 20 bezieht sich darauf: "Welche Seelenzahl trifft ungefähr auf diese Wirthschaften zusammen und sonach im Durchschnitte auf jede einzelne?". Wenn da mal nicht der Pfarrer seine Finger mit im Spiel hatte. Leider war es dem Beamten ganz offensichtlich zu doof, dies auszurechnen. Seine Notiz: Nur ein Strich. Wahrscheinlich war er Atheist ...  (Ok, ok: Es könnte damals darauf geachtet worden sein, daß nicht zu viele Wirtschaften auf eine zu geringe "Seelenzahl" fallen. Ein Modell, das vielleicht auch heute bedenkenswert wäre ... :-)