19. 2017
Nov

Newsletter # 661

Simon the Stick

Heute noch ein Anekdötchen aus der allseits beliebten Reihe: "Aus dem Bar-Alltag". Diesmal: Eine Geschichte, wie noch nicht mal ich sie in über 20 Jahren erlebt habe. Und dabei dachte ich, naiv wie ich bin: Langsam sollte ich ja eigentlich alle Themen durch haben. Das heutige Thema: „Haus-Regeln“. - „Och nö“, „laaaaaaaaangweilig“ - ist ja gut ...

Letzten Montag: Jam-Session. Eine Haus-Regel: Nach dem Eröffnungs-Set dürfen Schlagzeuger nur noch mit Brushes/Besen spielen. Warum?! Das "Vogler" liegt in einem Wohnhaus, die Bühnen-Wand grenzt zusätzlich an das benachbarte Wohnhaus an. Deshalb: Rücksicht. Klar gibt es Schlagzeuger, die auch mit Sticks leise spielen können, aber es kann nicht jeder Schlagzeug-Einsteiger vorher auf seine Lautstärke getestet werden. Deshalb ausnahmslos: Besen. Klingt doch eigentlich alles ganz logisch, oder?!

Letzten Montag spielte der österreichische Schlagzeuger Simon Springer im Eröffnungs-Quartett. Auch er kam in den Genuss meiner Hausregel-Einweisung und: bejahte diese. Nur: Er hielt sich nicht daran, spielte trotzdem mit Sticks, nicht mit Besen und machte mir jedesmal beim Wechsel auf Besen gestisch klar, daß er keinen Bock hat, sich an die Haus-Regel zu halten. Ich liess die Session unterbrechen - und verwies ihn der Bühne. Warum er sich nicht an die Regeln hält?! - „Ich bin der Künstler!“. - Sehr witzig.

Für mich war die Sache damit erledigt. Nicht aber für den "Künstler" Simon Springer. Er informierte seine Freunde mit einem "Statement", beklagte sich über sein (!) Leid und bat indirekt, den "Vogler" doch auf Facebook mit einem Stern (von möglichen fünf) zu bewerten - um damit dem "Vogler" zu schaden. Denn: ein schlechtes Ranking ist: schlecht fürs Geschäft. Ein Muster, daß ich bis jetzt dreimal erlebt habe (von Nazis nach "Jazz gegen Rechts", von Rechtspopulisten nach dem Aufruf zum Hausverbot für Michael Stürzenberger und von selbsternannten Antisemitismus-Jägern nach einem „Benefiz für Gaza“). Da ich die besten Gäste "auf Welt" habe, konnte ich mit einem eigenem Aufruf auf Facebook dagegensteuern. DANKE nochmal!

Dass aber ein Musiker mit seinen Musiker-Freunden versucht, Beleidigungen inklusive ("Art und Umgang erinnern an koksende Gastronomen/Veranstalter/Chefs (...) es gibt auch Arschlöcher, die ganz ohne Koks so beinander sind wie Sie "), einer Live-Musik-Bühne zu schaden, weil er sich selbst nicht an die Regeln hält, ist: bizarr. Und eine Frechheit.

Ich habe noch ein Interview mit Simon Springer führen können. Und ein paar seiner Versuche, leise mit Sticks zu spielen, dokumentiert. Der Link.

P.S.: Der Bassist Raoul Walton hat mich gebeten, Ihnen allen für Ihre große Hilfe und Unterstützung zu danken (Newsletter 658). Ihre Hilfsbereitschaft sei überwältigend gewesen. "You saved me!" - DANKE auch von mir!

P.P.S.: Am "Vogler"-Bashing haben sich unter anderem der Schlagueuger Simon Springer, die Pianisten Luca Zambito und Jakob Zimmermann, die Bassisten Robert Wallner und Thomas Milacher, der Veranstalter Michael Simperl, der Tontechniker Christian Stipsits und Daniel J.E. Sailer beteiligt ...