11. 2017
Jun

Newsletter # 642

Nichtgeistige Dirne

"Folge 18 der 20 Jahre Vogler Geschichte": Heute: Wer war denn vor dem Vogler in der Rumfordstrasse 17?! - 3. Teil: 1947 bis 1952 (alle anderen Folgen finden Sie hier)

Noch immer heisst das Lokal "Belvedere". 1947 vermerkt die Stadt München: „Die Betriebsräume wurden durch Luftangriffe sehr stark in Mitleidenschaft gezogen.“ Trotzdem möchte der Kellner Karl A. das „Belvedere“ am 16.10.1947 übernehmen und erhält eine „vorläufige Betriebserlaubnis“.

„Vorläufig“ vor allem deshalb, weil seine Ehefrau ein umfangreiches Vorstrafenregister („Diebstahl, Hausfriedensbruch, Pfandbruch und Gewerbsunzucht“) vorzuweisen hat und „früher einmal als Prostituierte in einem auswärtigen Bordell tätig (war) und (…) auch in München (…) als Lohndirne Ihren Lebensunterhalt (bestritt)“.

Diese "Verfehlungen der Ehefrau" liegen zwar bereits 14 Jahre und länger zurück, aber trotzdem ist der Stadt das Ganze nicht geheuer. Erschwerend kam dazu: "Der Antragsteller selbst befand sich im Jahre 1933 ca. 3 Monate lang wegen Geisteskrankheit in der Heil- und Pflegeanstalt". 1933?! Wer mag es ihm verdenken.
"Unter diesen Umständen wird vorgeschlagen (...) die Betriebsführung während (einer) 3-monatigen Frist eingehend überwachen zu lassen."

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"Nach Behebung der Fliegerschäden“ und dem Bestehen der 3-monatigen Überwachung durch die Bezirksinspektion, erhält Karl A. am 24.9.1951 die „Befugnis zum Ausschank von Bier, Wein, Branntwein und nichtgeistigen Getränken (sic!) täglich bis zur Sperrstunde 1 Uhr“.

Am 31. März 1952 schliesst das „Belvedere“ wieder: "Grund der Betriebseinstellung: Kündigung“. Warum Karl A. gekündigt wurde, ist nicht mehr nachvollziehbar. Der zuständige Mitarbeiter der Spaten-Brauerei ist doch glatt schon in Rente gegangen ... :-)

Fortsetzung folgt.