10. 2017
Sep

Newsletter # 651

Fluppen-Knast

Folge 27 der "20 Jahre Vogler Geschichte" (alle anderen Folgen finden Sie hier)

Sie wissen, das Leben als Gastronom war schon immer eines der aller-, allerhärtesten. An jeder Ecke lauert die Gefahr der Gesetzes-Übertretung, auch an Stellen, an denen wir es gar nicht vermuten. Der heutige Newsletter wird dies klar und deutlich beweisen.

Sie erinnern sich an meinen Newsletter über meinen Vor-Vor-...-Gänger Josef L., der in den 1920er-Jahren offensichtlich ein Unterstützer des paramilitärisch organisierten, später in die SA eingegliederten  "Stahlhelms" war und dessen Bitte, "während der sog. Stahlhelmtage vom 31. Mai 1929 bis 3. Juni 1929 (...) ein Massenlager errichten zu dürfen (für ca. 100 Mann)“ - im jetzigen "Vogler"?!

Sie haben sich sicher damals schon gefragt, wie, wo und warum sich Josef L. radikalisiert haben könnte. Ich habe die Antwort gefunden. Josef L. wurde zwei Jahre vorher wegen des Verkaufs von fünf Zigaretten vor seinem Lokal zu einem ganzen Tag Haft verurteilt. Die Haft musste er auch antreten:

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Der Beamte schreibt:: "L. Josef, wurde am 23.3.27 nachm. 8.08 Uhr betroffen, als er von der Gaststätte an der Rumfordstr. 17 an 1 Strassenpassanten 5 Stück Zigaretten verkaufte, ohne dass letzterer ein Getränk einnahm. (...) Strafbefehl vom 30.5.27: (...) 1 Tag Haft. Am 26. Sept.1927."

"Betroffen" macht eher, dass für den Beamten 8.08 Uhr schon Nachmittag und rauchen nur mit trinken erlaubt war - und womit sich die Staatsanwaltschaft des Land-Gerichtes damals so alles rumschlagen musste.

Hätte Josef L. dem Passanten eine ganze Stange Zigaretten verkauft, wäre er wohl für 40 Tage ins Gefängnis gewandert. Dabei gab es damals doch noch gar kein Rauch-Verbot …

Fortsetzung folgt ...

In diesem Sinne, schönen Tag und alles Gute!

Ihr und Euer Thomas Vogler

P.S.: Die Auflösung des "Bilder-Rätseld" meines letzten Newsletters möchte ich Ihnen nicht vorenthalten:

Folgende „Übersetzungen“ gab es: „Übertretung der Schließstunde“, "Übertretung der Polizeistunde(n)“, „Überziehung der Putzstunde“, „Überziehung der Polizeistunde“, "Übertretung der Polizeidecrete" - suchen wir uns eine raus …

Schön auch die Antwort eines Gastes: „Aufgrund des Alters ist man geneigt, dem Beamten eine deutsche Schreibschrift zu unterstellen, aber es ist eher eine eigene Version der lateinischen Schreibschrift! Die erste Zeile liest sich ja noch recht einfach als "Übertretung der", wobei auffällt, dass der Schreiber mit dem Querstrich des "t" teils dynamisch verfährt und auch keinen Bogen über das "u" setzt. Setzt man diese Schludrigkeiten zum Verständnis der 2. Zeile voraus, kommt man mit dem 2. Wortteil unter der Latein-Prämisse einigermaßen glaubhaft auf "stunde", insgesamt komme ich somit am ehesten auf eine - sprachlich allerdings recht abenteuerliche - "Schperstunde", aber vielleicht hatte der Beamte ja vorher einen Ortstermin (mit Flüssigkeits-Qualitätstest) absolviert.“

P.S.: Für diese Antwort hätte es sicherlich damals auch mindestens 1 Tag Haft gegeben ...