27. 2017
Aug

Newsletter # 650

Druck-Pieseln

Folge 26 der "20 Jahre Vogler Geschichte"

Einmal tief durchatmen. Vielleicht auch zweimal. Sie haben es fast geschafft. Den historischen Rückblick, wer seit 1876 so alles mein Vorgänger war in der Rumfordstrasse 17. Bei den vielen Wechseln könnte man ja leicht den Überblick verlieren. Und bei den manchmal doch sehr eigenwilligen Charakteren ebenfalls. Vieles bleibt im Dunkeln, weil es keinerlei Unterlagen mehr gibt (oder ich zu blöd war, sie zu finden).

Aber (mindestens) einen Gastronomen habe ich noch: Johann Schmid. Schmid, auch er, wie zuletzt Philipp Reindl (NL 649), „rechtskräftig verurteilt“. Sein posthumes Glück ist allerdings, daß das Krickelkrackel des Beamten bis jetzt für niemanden mehr lesbar ist.

Oder möchten Sie es mal selbst versuchen?! Nur zu:

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Sehen Sie, so ging es nicht nur Ihnen ...

Schmids-Pächterschaft wurde unabhängig seiner Verurteilung geprägt von Problemen, die gerade im Hinblick auf einen historischen Rückblick von nicht zu unterschätzender Größe und nahezu weltpolitischer Relevanz sind: Schmid hatte Probleme mit dem "Damenabort".

Im Gewerbeamt wurde 1892 deswegen ein eigener Akt angelegt. Seite 1:

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Schmids Problem: Die Buchdruckergehilfen pinkelten in das auf dem Gang liegende, trotz amtlicher Weisung immer noch nicht erneuerte und korrekt gekennzeichnete Damenabort. Dem Buchdruckergehilfen als solchem war aber wohl kein Vorwurf zu machen, da Schmid, aus welchen Gründen auch immer, kein Schild anbringen wollte, daß das Damenabort ein Damen- und kein Buchdruckergehilfenabort (was für ein wunderbares deutsches Wort) war. Nicht überliefert ist, wo der Buchdrucker-Meister und seine Gesellen ihr Geschäft verrichteten. Und warum das Damenabort auf dem Gang lag. Und wo eigentlich das Herrenabort war. Ich bin mir sicher, eines Tages werden Historiker diesen geradezu existentiellen Fragen auf den (Abort)-Grund gehen …

Doch Schmid hatte nicht nur ein Abort- sondern auch noch ein Glaubwürdigkeitsproblem: „Den Angaben des Schmid dürfte überhaupt wenig Glauben beizupflichten sein.“ Schmid dürfte das alles ziemlich K… gefunden haben …

Interessant: Schmid war zweimal Pächter in der Rumfordstrasse 17: Vom 6.12.1887 bis 6.6.1899 das erste und vom 1.11.1899 bis 30.4.1901 das zweite Mal. Ich weiß, Sie denken jetzt: "Mensch Vogler, in den knapp 5 Monaten wurde halt umgebaut." Nein, da gab es einen weiteren Gastronomen. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Fortsetzung folgt ...