8. 2011
Jun

Newsletter # 358

Spenden Mafia

Wie Sie sich vielleicht erinnern, gab es 2oo5 zwei Benefit-Abende im „Vogler“ für Tsunami-Opfer. Die Gelder gingen an das „Prana Projekt“ von Dr. Hilde Link und Prof. Matthias Laubscher und sollten ursprünglich für ein Fischerboot verwendet werden, wurden aber dann, in Absprache mit mir, für den Bau einer Schule mitverwendet. Erst vor kurzem lernte ich Frau Dr. Link persönlich kennen, wir kamen u.a. noch einmal „auf die Sache mit dem Boot“ zu sprechen und sie schrieb mir daraufhin folgenden Brief, aus dem ich mit ihrem Einverständnis hier zitiere:

„Die Geschichte mit den Booten ging nämlich noch weiter. (...)

(...) als die Fischerei-Gewerkschaft grünes Licht zum Annehmen von Booten aus Spenden gegeben hatte, standen verschiedene Hilfsorganisationen mit den entsprechenden Sozialromantikern am Strand und haben gefragt, wie viele Boote benötigt werden. Es meldeten sich nicht nur die Fischer, sondern auch die sogenannten Matrosen, das sind die Helfer der Fischer, die die Netze einholen, vergleichbar mit Knecht und Bauer auf einem Hof. (...) Plötzlich fuhren 60 Boote aufs Meer und innerhalb von einem viertel Jahr war praktisch der gesamte Golf von Bengalen leergefischt (...) Es wurden keine Schonzeiten eingehalten , sondern allein der rücksichtslose Profit zählte. Mit dem Ergebnis, dass viele Fischer aus unserem Dorf arbeitslos wurden und mitsamt ihren Familien in eine tiefe Armut stürtzen. Viele Fischer ließen ihre Familien zurück und versuchten in der Großstadt oder am Golf ihr Glück, das in unserem Dorf kein einziger fand.

Und außerdem: (Für) ein und dasselbe Boot wurde 5-6 mal gespendet. Die Lackierei in der nahegelegenden Werft hatte Hochbetrieb: Über `Hessen Hilft´ wurde `Plan International´ gepinselt, dann `Caritas´usw. Den Profit dieser Aktion hatten allerdings nicht die Fischer, sondern kriminelle Banden, die sich blitzschnell gebildet hatten und die die Boote immer wieder umlackieren ließen und immer wieder an Hilfsorganisationen verkauften, bzw. die entsprechenden Spendengelder kassierten. Die Fischer selbst hatten das Nachsehen. Ich war ja vor Ort und habe alles hautnah mitbekommen. Natürlich hätte auch ich mich in dieses Ringelrein der der Boote-Spender einreihen können und hätte damit viele zufriedene Spender hinterlassen, die alle den Rest ihres Lebens in dem schönen Bewußtsein verbracht hätten, ein Boot für einen armen Fischer gespendet zu haben (...)

Herr Vogler, sind Sie froh, dass Sie mit diesem Wahnsinn, der da geschehen ist, nichts zu tun haben. Wie Sie wissen, habe ich Ihre Spende für die Gründung einer Schule verwendet. Diese Schule (...) war von den Fischern ausdrücklich gewünscht und gibt immer noch hochbegabten Kindern eine Chance, die sie sonst niemals bekommen hätten. (...)“

Mehr Informationen unter: http://www.linkhilfe.de